Revier-Info


Entstehung und Entwicklung des Zwischenahner Meeres

Das Zwischenahner Meer ist nach dem Steinhuder Meer und dem Dümmer der drittgrößte See Niedersachsens. Wie diese ist es ein Flachsee, d.h. ein See ohne stabile jahreszeitliche Temperaturschich tung seines Wasserkörpers. Unter dem Einfluß des Windes der Tiefebene ist er gut durchmischt, also mit Sauerstoff versorgt.


Das Zwischenahner Meer unterscheidet sich von den anderen großen Flachseen zum einen dadurch, dass es deutlich tiefer ist. Zum anderen ist es infolge der winkeligen Lage seiner Längsachse zur vorherrschenden Windrichtung aus Südwesten dem Wind nicht so sehr preisgegeben wie das Steinhuder Meer. Starke Strömungen können sich nicht aufbauen, weil die lange "Anlaufstrecke" fehlt. Die tiefer liegenden Ablagerungen werden seltener und nicht so stark aufgewirbelt. Das Zwischenahner Meer hat deswegen auch keine ausgeprägte Strömungsrinne: die "Große Düpt" ist jedoch ein Ansatz dazu. Größere Tiefe und nur schwache Strömungen sind der Grund dafür, dass die Mudden (= Ablagerungen des Sees, bestehend aus mineralischen Anteilen wie Sand, Ton, Kalk, organischen Teilen, wie Reste abgestorbener Algen, Wassertiere und Zerreibsel von größeren Pflanzen) nicht in bevorzugten Bereichen wie Strömungsschatten, sondern gleichmäßig abgesetzt werden. Wegen der Tiefe und der steilen Ränder hat der See keinen Verlandungsgürtel. Die Moore im Süden stehen mit dem Zwischenahner Meer nicht in ursächlichem Zusammenhang.


Die jüngere geologische Geschichte der Umgebung gibt keinen Hinweis für die Entstehung des Sees. Er liegt wie ein Fremdkörper in eine Platte von Geschiebelehm aus der vorletzten Eiszeit eingesenkt. Die aufgesetzten dünnen Flugsanddecken sind wie die flachen Talungen ausgeprägt Südwest-Nordost gerichtet. Sie sind beide älter als der See, hängen also mit seiner Entstehung ebenfalls nicht zusammen. Bedeutsam ist aber der S-förmige Salzstock von Zwischenahn, der aus dem tiefen Untergrund bis wenige hundert Meter unter die Erdoberfläche aufragt. Am höchsten ist er gerade unter dem See und Bad Zwischenahn. Gegen Ende der letzten Eiszeit wurden hochliegende Teile des Salzstockes vom Grundwasser aufgelöst und weggespült. Die so entstandenen Hohlräume brachen zusammen und der Einsturz pauste sich zur Oberfläche durch. Die ca. 10 m tiefe Einsturzwanne füllte sich mit Wasser und bildete so das Zwischenahner Meer.

Aus der Untersuchung der Seeablagerungen, die vor 15 Jahren H. 0. Grahle und H. Müller durchgeführt haben, erfahren wir mehr über die Geschichte des Sees seit seinen Anfängen. In den Mudden sind nämlich Algen, Tierreste, Blütenstaub usf. ausgezeichnet erhalten. Aus ihnen kann man viele Informationen über das Alter, die Ökologie des Sees, die Geschichte von Klima und Vegetation ablesen.

Die ältesten Seeablagenungen sind 12.000 Jahre alt. Das Zwischenahner Meer ist also am Ende der letzten Eiszeit entstanden. Man kann sich einen beinahe ebenso großen und flachen See wie heute vorstellen, der inmitten einer arktischen Parktundra, zeitweise baumlose Tundra, lag. Der hohe Sandgehalt der gelben Mudde zeugt vom Abtrag der noch steilen sandigen Ufer. Die kräftige Erosion wurde durch offene Pflanzenbedeckung begünstigt. Zusätzlich bauten um diese Zeit allmählich ausklingende Sandstürme Flugsanddecken auf. In den kurzen Sommern taute die Eisdecke auf dem See ab, und sein Wasser war grün von Algenblüte: die gelbe Mudde aus diesen Jahrtausenden besteht weitgehend aus Grünalgen.

Vor 10.000 Jahren war die Eiszeit vorüber. Die Vegetationsdecke schloss sich, Wald wuchs auf. Dies unterband Erosion und Sandtreiben fast ganz. Mit der intensiveren Bodenbildung und dem einsetzenden Moorwachstum änderte sich der Chemismus des Sees und somit auch seine Ablagerungen. Eine kalkfreie olivbraune Mudde wurde abgesetzt, die arm an Sand und Ton ist. Die Zusammensetzung der Grünalgen-Arten änderte sich, und ihre Vorherrschaft wurde von einer Gruppe von Kieselalgen gebrochen (dieselben Veränderungen ereigneten sich zeitgleich im Steinhuder Meer!). Gegen Ende dieser Periode, etwa 2.500 Jahre vor Chr., machte sich der Einfluss des Menschen bemerkbar: Unkräuter-Pollen treten in der Mudde als sichtbare Hinweise auf Ackerbau und Eingriffe in die Bestände des Urwaldes auf.

Während der letzten Jahrhunderte v. Chr. wird im See eine dunkelgrüne Mudde abgelagert. Der Mensch betrieb offenbar die Entwaldung zur Ackerland-Gewinnung mit Erfolg: der Roggen ist ununterbrochen durch seinen Blütenstaub in der Mudde nachzuweisen. Auch die Erosion nahm infolge des Ackerbaus zu: die Mudde wurde wieder sandiger.

Beim Betrachten der Tiefenlinien auf der Kartenvorderseite sowie der Kartenskizze der Mächtigkeit der Mudden fällt eine deutliche Tiefengliederung auf: auf eine besonders im Osten - flache Uferzone folgt nach steilem Abfall ein breiter, fast ebener Boden. Die Einbuchtung der Mächtigkeitslinien im Nordostteil des Sees geht nicht auf eine Erhebung des Wannenbodem zurück, sondern ist Ausdruck des "Loches" der "Großen Düpt". Die Rinne im Westen der Seewanne ist dagegen das Abbild der abgesenkten, ertrunkenen Verlängerungen der Täler der Heller Bäke, des Aubaches (von Norden) und der Aue (nach Süden) in den See hinein.

Ob die breite, sandige Uferschorre vor allem am Westufer durch ein späteres Ansteigen des Wasserspiegels entstanden ist oder durch leichtes Nachsinken über dem Salzstock ist ungeklärt. Die Untersuchungen durch Grahle und Müller (1967) auf der Seefläche erbrachten keinen Hinweis auf ein Wiederaufleben der Absenkung. Die"Große Düpt" ist keinesfalls ein Einbruchstrichter, denn (vgl. Profil) die gelbe Mudde zieht unter ihr ungestört hindurch.