1947


Der Schluss des Krieges brachte den Verlust fast der gesamten Flotte mit sich. Einige Boote waren bei den Bombenangriffen auf den Flugplatz und beim Beschuss des Ortes verbrannt. Was übrig geblieben war, wurde fast vollständig von der englischen Besatzungsmacht beschlagnahmt. Doch auch ohne Boote fand man sich wieder. Fritz Koopmann, Heinz Hellwig und Paul Müller scharten 1947 die ersten Gleichgesinnten um sich.


Als ein "Geschenk des Himmels" erwies sich das Vermächtnis unseres verstorbenen Mitglieds Kommerzienrat Bertram, der vor seinem Tode bestimmte, dem Zwischenahner Segelklub das herrliche Grundstück "Am hohen Ufer" in Pacht zur Verfügung zu stellen. Damit war ein neuer Mittelpunkt geschaffen, wo man sich treffen gemeinsam aufbauen konnte. Bald hatte der Segelklub wieder 80 Mitglieder. Der erste gewählte Vorstand nach einer neuen Satzung, die am 4. Februar 1949 errichtet wurde, setzte sich wie folgt zusammen:

1. Vorsitzender: Fritz Koopmann
2. Vorsitzender: Willi Grambart jun.
Kassierer: Ernst Bangert
Schriftführer: Paul Müller
Sportwart: Heinz Hellwig

Niemand von den Seglern konnte sich in diesen Tagen irgendwelcher besonderer Reichtümer rühmen und vielleicht hat gerade das zu der guten Kameradschaft geführt, von der der Nachwuchs noch heute zehrt.

Zunächst galt es, einen Hafen zu bauen, denn nach und nach kamen doch wieder einige Boote zum Vorschein. Fast alles Ausgleicher - aber, was spielte das damals für eine Rolle. Es gehörte schon einiger Erfindergeist dazu, aus nichts einen Hafen zu bauen. Mühsam wurden alte Beleuchtungsmasten vom ehemaligen Flugplatz mit notdürftig geflickten Schwimmpontons über den See gebracht. Sie bildeten auf selbstgerammten Pfählen die erste Stegunterlage. Irgendwo wurde ein altes versunkenes Motorboot aufgetrieben, das zersägt die Stegbretter lieferte. Das Ufer musste befestigt werden. Der Platz davor durfte sich auch bei hohem Wasserstand nicht mehr mit dem See zu einer Fläche verbinden. Also wurden Steine gekarrt, monatelang, in jeder freien Stunde. So mancher hat damals wohl sehnsüchtig auf das Wasser geblickt und wäre viel lieber ein wenig mit den alten "Kähnen" - getakelt mit Stoff aus Mutters Bettlaken - geschippert, wohl wissend, daß die alten Holzkähne meistens mindestens einen dritten Mann - zum Lenzen nämlich - erforderten, denn dauernd Kalfatern war auch anstrengend.

Immerhin waren ja noch die Abende da. Es sind wohl nie wieder so viele Fuchsjagden bei Nacht gesegelt worden wie 1949/50. Und wer noch nie - weil es lange schon verboten ist - nachts auf dem Zwischenahner Meer gesegelt hat, weis nicht einmal, dass das zu den schönsten Naturerlebnissen gehört, die man sich denken kann.

Die Fuchsjagden (Der Fuchs segelt bei Dämmerung los, die Meute muss seine möglichst ungesehene Rückkehr zum Klub verhindern) endeten meist nach Verständigung durch Zurufe in einem der beliebten Lokale am See, Fährkroog, Spieker, Fährhaus, zur Brügge, "Entenhütte" (Strandpark), denn wir hatten ja noch kein Klubhaus. Die Horde, die dann bisweilen abends irgendwo einfiel, war natürlich bei den Wirten nicht immer beliebt. Schon eher waren wir gelitten im Waldcafe Fiedler, wenn wir denn trockenen Fußes, über die Restpoller des Segelhafens beim ehemaligen Offizierskasino hüpfend, dort hingelangen konnten.

Ein entscheidender Schritt auf mehr sportlichem Gebiet war erreicht, als die 1949 gegründete Zwischenahner Bootsbau KG die ersten Boote der neu entwickelten Revierklasse - eine 20 qm Stahljolle - abgeliefert hatte. Die restlichen Ausgleicher wurden vermessen, und die zwei wieder aufgetauchten Vorkriegs-O-Jollen und die eine H-Jolle und die damals berühmte A 10 (Willi Grambart, später Dieter Grimm) dazugetan, ein Startmast am Stegende des Klubhafens errichtet und die ersten Regatten konnten unter Beteiligung fast aller übrigen Mitglieder, als Zuschauer und Ratgeber an Land, beginnen. Unser erstes Bootshaus nach dem 2. Weltkrieg (Auf dem Hohen Ufer) war noch bis 1950 vermietet. Dann konnten sich endlich alt und jung treffen zu endlosen Diskussionen über Boote, Segel, Luvkampf, Wegerecht, Innenposition und was sonst noch Seglern so am Herzen liegt.

Die Zwischenahner Meer-Regatta wurde erstmalig wieder am 12. und 13. August 1950 ausgeschrieben. Die ersten auswärtigen Gäste kamen vom Oldenburger Yacht-Club und vom Weser Yacht-Club Bremen. An der Regatta konnte beinahe jedes Boot teilnehmen, wenn es nur einen Mast aufzuweisen hatte. Die Oldenburger und Bremer kamen mit einigen H-Jollen, 0-Jollen und Piraten. Auch Zwischenahner begannen im Laufe der kommenden Jahre zu reisen. Gleich die erste Ausfahrt einer H-Jolle wurde ein Abenteuer. Bubi Hellwig fuhr mit Fritz Bölts unter Begleitung fast des ganzen Vorstandes am 18. Juli 1952 zur Norderney-Regatta. Die See war so stürmisch und die Schwierigkeiten des Bootstransportes so groß, dass es erstaunlich war, daß Boot "Möwe" und seine Mannschaft überhaupt zurückkehrten. Nicht nur, dass man in Norddeich bis über die Achsen nachts beim Aufslippen in Schlick versank, der Zugwagen Marke Hanomag hatte eine Abgasführung ins Wageninnere, die Fiet und Bubi fast das Leben gekostet hätte.

Zu unserem 60-jährigen Jubiläum 1953 fanden in Zwischenahn in Verbindung mit der Zwischenahner Meer-Regatta die Niedersachsen-Meisterschaften statt. Der Niedersachsen-Pokal wurde ausgesegelt in 0-Jollen, Piraten und H-Jollen. Gleichzeitig wurden die Jugendmeisterschaften ausgesegelt. 25 Klassenboote waren am Start. Fast alle Segelvereine des norddeutschen Raumes waren mit wenigstens einem Boot vertreten. Der Hafen war zu dieser Regatta ausgebaut worden und das Bootshaus auf Schönheit getrimmt. Doch der Anschluss an die Regattatechnik unserer Gäste war noch nicht gefunden. Fast alle Preise gingen mit unseren Gästen mit. Doch darauf kam es nicht an.

1954 war auf dem ehemaligen Flugplatzgelände ein englisches Militärlazarett, dem ein Segelklub angeschlossen war, errichtet. Die Engländer hatten 6 Bell-Boote, 6 Piraten und 2 Scharpies in ihrem Hafen und so manche gemeinsame Regatta vertiefte die Erfahrungen unserer jungen Segler. Die Boote wurden ausgelost und erstmalig waren hierdurch wieder bis zu 50 Boote am Start. Und nicht nur das, die Engländer zeigten uns, daß man auch im Schneetreiben noch barfuß segeln kann und wie gut gefüllt ihre Casinobar war.

Zum Verwalter des Bootshauses wurde 1954 Dr. Gerd Bischoff ernannt -ehrenamtlich - versteht sich. Umschichtig betätigten sich die Damen und Herren aus dem Mitgliederkreis an der Bar. Nach den schweren Jahren des Aufbaus der Anlage des Segelklubs und der Schaffung einer "Seglerfamilie", eine Aufgabe, der sich der Vorstand unter Leitung unseres unermüdlichen Fritz Koopmann in vorbildlicher Weise unterzog, galt es jetzt, nachdem auch die Zwischenahner nicht mehr nur über zum Teil selbstgebastelte Boote, sondern auch über Klassenboote verfügten, den seglerischen Erfahrungsaustausch mit anderen Vereinen voranzutreiben.

Als Hans Claasen, von 1954 bis 1956 erneut 1. Vorsitzender, sein Amt aus gesundheitlichen Gründen abgeben musste, war guter Rat teuer. Trotz eines Bestandes von 71 Mitgliedern war die Finanzlage nicht rosig. Damals waren auch 2.000,- DM Schulden ein Berg, zumal Hafen und Bootshaus zur erneuten Renovierung und Erweiterung anstanden.

Es muss schon als Glücksfall angesehen werden, dass angesichts großer sportlicher und finanzieller Aufgaben Erich und Willi Bruns sich bereitfanden, Ende 1956 den 1. und 2. Vorsitzenden im Vorstand zu stellen. Beide legten Wert darauf, dass sie die Aufgabe gemeinsam übernahmen, um die Belastung auch im Hinblick auf den gemeinsamen Betrieb zu mindern. Mit ihnen und Heinz Evers als Schriftwart, Edgard Frohneberg als Kassierer und Heinz Hellwig als Sportwart begann eine lange Periode des stetigen Aufschwungs und der finanziellen Sicherheit.

Auch mussten die Voraussetzungen geschaffen werden, dass unsere Segler auswärtige Regatten besuchen konnten. Damals schaffte der Klub einen Bootswagen an. Der stand bei Bubi. Gegen Entrichtung von DM 20,- konnte man ihn ausleihen. DM 19,- bekam man bei Ablieferung wieder zurück. Die Regatten auf dem See wurden natürlich (wegen der Zuschauer auf dem Klubgelände und mangels Technik) vom Bootshaus aus gestartet. Die Regattaleitung - lange Jahre Dr. Drescher, Hans Popp und wechselnd Vorstandsmitglieder - saßen oben auf der Terrasse und peilten Start- und Zieldurchgang über einen Mast am Stegende. Über ihnen 5 rote Lampen am Haus, die minutenweise einzeln gelöscht wurden. Rückrufe mit Flüstertüte. Regattasicherung? Fehlanzeige! Erst später übernahm das der frisch bestellte Wasserschutzpolizist mit seinem Boot. Polizeimeister Winterberg war viele Jahre unser Freund und Helfer, der anfangs auch schon mal in die Regattaleitung eingriff.

Drei Segler aus der Zeit nach 1958 bedürfen hier der besonderen Erwähnung. Haben sie doch durch ihr sportliches Engagement und ihren Ehrgeiz Zeichen gesetzt für die sportlichen Aktivitäten, die dann folgten: Bruno Luxa, Fritz Strehl und Willy Elfers in der H-Jollenklasse. Sie beflügelten die Segler, in verstärktem Umfang Boote in schon vorhandenen Klassen anzuschaffen: H-Jollen, Piraten, 0-Jollen. Weg vom individualistischen Sonntags- und Feierabendsegeln, hin zum sportlichen Kräftemessen.


Bald blieben die Erfolge nach vielen Teilnahmen Zwischenahner Segler auf auswärtigen Regatten nicht aus. Ein erster Höhepunkt für den Klub in sportlicher Hinsicht war die Erringung des Titels "Deutscher Meister der H-Jollen" 1965 durch Fritz Strehl und Rudi Jörling. 1966 war Wolfgang Krantz Sportwart geworden. Er verstand es, über viele Jahre nicht nur die Segler zu immer neuen Erfolgen anzutreiben, er organisierte auch den geselligen Teil des Vereinslebens. Nicht nur, dass er jahrelang zusammen mit seiner Frau unsere Klubkantine verwaltete, er band auch viele Seglerfreunde von anderen Revieren an unsere Veranstaltungen. Natürlich gab es auch Ärger, z.B. wegen Brunos Hund, der ständigen Überfüllung im viel zu kleinen Klubhaus, durch den Familienanhang oder der Anzeige wegen ruhestörenden Lärms von Nachbarn des Vereins.

Ein großes Anliegen wurde die gezielte Jugendarbeit. Dieser Aufgabe nahm sich seit 1966 mit Vehemenz unser neu gewählter Jugendwart, Robert Stalleicken, an. Und noch ein zweiter junger Mann taucht in den Annalen auf, der heute, wie Robert, allen bekannt ist, Peter Kache. Er wurde 1966 neben Wolfgang Krantz zum stellvertretenden Regattaleiter gewählt. Der Vorsitzende des Kreissportbundes Ammerland, Heinz Behrendt, der sich über Jahrzehnte und heute noch die Anliegen des ZSK zu seinen eigenen gemacht hat, führte bereits auf der Hauptversammlung 1966 aus: "In keinem Sportverein des Ammerlandes wird mit soviel Interesse und Erfolg gearbeitet wie im ZSK. Der Verein hat nicht nur zum guten Ansehen des Ortes Zwischenahn beigetragen, sondern auch, über die Grenzen des Ammerlandes hinaus, dem Sport gedient".