1893


Die ersten, die unseren See - das etwa 12.000 Jahre alte Zwischenahner Meer - befuhren, waren nicht etwa Segler, sondern Fischerkähne. Jedenfalls weis es die Geschichte zu berichten, daß schon im 14. Jahrhundert die Fischereirechte auf dem See stark begehrt waren.

Es war in der Mitte des vorigen Jahrhunderts, daß sich Zwischenahn, besonders nach dem Anschluss an das Eisenbahnnetz im Jahre 1865, zum Ausflugsziel vor allem der Oldenburger, entwickelte. Und bald wollten die Ausflügler auch auf bequeme Art zur anderen Seite des Sees. So kaufte denn 1875 H.W. Feldhus an der Weser den Dampfer "Puck" und konnte damit 60 Personen befördern, als es erst einmal gelungen war, die Straßen von der Weser bis Zwischenahn zu begradigen, das Ungetüm hier her zu bringen und es unter großen Schwierigkeiten zu Wasser zu lassen. Der immer größer werdende Zustrom von Besuchern machte 1887 die Anschaffung eines zweiten Dampfers mit dem Namen "Friedrich August" rentabel. Um diese Zeit erschienen auch die ersten "Lustfahrzeuge", Segelboote und Ruderboote für die Gäste - mit Sonnensegeln natürlich.


Der Winter vor 100 Jahren muss nach den Berichten alter Zeitungen kalt gewesen sein. So steht im "Ammerländer" vom 14. Februar 1893 zu lesen: "Der Wasserstand des Sees ist durch das eingetretene Tauwetter sehr gestiegen. Das Eis wurde durch den Wind und den dadurch hervorgerufenen Wellenschlag nach der Aschhauser Seite getrieben, wo es einen langen, mannshohen Wall bildet. Die Grasnarbe der betroffenen Wiesen wird durch das andrängende Eis förmlich umgerollt. Bei Beginn des Eisganges kam der Dampfer "Friedrich August" in Gefahr, beschädigt zu werden und nur durch stetiges Zersägen und Zerschlagen des schiebenden Eises konnte die Gefahr behoben werden."

Doch es wurde auch damals wieder Sommer und so steht dann am 24. Juni 1893 geschrieben: "Der Fremdenverkehr in unserem Orte hebt sich mit der vortschreitenden Saison mehr und mehr. Fast jeden Tag machen größere Gesellschaften Ausflüge nach hier.

Mit den Gästen des Sommers kam auch ein Herr Feuerheerdt aus Macleira und dieser lernte den Zwischenahner Fleischwarenfabrikanten und Kaufmann Wilhelm Gleimius kennen. Diese Bekanntschaft führte zur Gründung eines Segelvereins. Doch lassen wir Wilhelm Gleimius aus seinen handschriftlichen Aufzeichnungen "Erinnerungen aus meinem Leben" selber berichten: "Im Sommer 1893 lernte ich im Zwischenahner Kurhaus einen Herrn Feuerheerdt kennen. Er war Kaufmann aus Macleira und verbrachte mehrere Jahre die heißen Sommermonate mit seiner Familie in Zwischenahn. Wir freundeten uns an und beschlossen eines Tages, eine Segelregatta zu veranstalten. Wir luden alle Segel- und Ruderbootbesitzer zu einer Besprechung in das Kurhaus ein. Unser Vorschlag wurde mit Begeisterung aufgenommen. Wir gründeten an diesem Abend den Zwischenahner Segelverein von 1893 und legten eine Segelregatta, verbunden mit einer Ruder- und Fischerbootregatta auf den 20. August fest, bildeten verschiedene Kommissionen und stürzten uns in die Vorbereitungen. Herr Feuerheerdt hatte gute Beziehungen zu den Schiffsgesellschaften "Norddeutscher Lloyd" und "Hansa" und bat diese um leihweise Überlassung von Fahnen. Beide Gesellschaften schickten je 200 Fahnen und der Ufer- und der Kurhausgarten wurden mit Zuhilfenahme großer Masten, die in die Erde gegraben wurden, reich beflaggt. Die Kurhausgäste halfen beim Binden der großen Girlanden, alle verfügbaren Bänke und Stühle aus den Kurhauszimmern wurden herbeigeschleppt. Eine Regatta war hier damals etwas Neues und noch nie Dagewesenes. So wurde z. B. der Andrang auf dem Oldenburger Bahnhof so groß, dass Vor- und Nachzüge eingelegt werden mussten. Das ganze Zwischenahner Ufer war voller Menschen. Nur eines fehlte: Der gute Segelwind! So kamen die Segelboote nur so langsam vorwärts, dass die Regatta der Ruder- und Fischerboote eingeschoben wurde. Trotzdem war der Tag ein voller Erfolg. Die Marinekapelle aus Wilhelmshaven gab ein sehr schönes Konzert. Abends war große Illumination und ein Brilliant-Feuerwerk wurde abgebrannt. Danach begann im Kurhaussaal der große Festball. Erst nach Abfahrt der letzten Züge konnte man einigermaßen Platz finden. Allgemein war man vom Verlauf des Tages begeistert." 

Eines verschweigt aber der Gründer unseres Klubs, nämlich die Enttäuschung der Zwischenahner, daß der geliebte Landesvater "Seine Königliche Hoheit, der Erbgroßherzog von Oldenburg" ausgerechnet an diesem ereignisreichen Tag sein Erscheinen mit folgendem Telegramm an den Vorstand, Herrn Gemeindevorsteher Feldhus, absagte: "Indem ich den Vorstand des Zwischenahner Segelklubs ganz ergebenst in Kenntnis zu setzen mich beehre, dass seine Königliche Hoheit der Erbgroßherzog der freundlichen Aufforderung zu der am 20. d. M. stattfindenden ersten Segel- und Ruderregatta des Klubs wegen dienstlicher Inanspruchnahme nicht Folge geben zu können bedauern, verfehle ich nicht hinzuzufügen, dass mein durchlauchtigster Herr dem jungen Unternehmen Höchst sein Interesse entgegenzutragen und demselben gedeihlichen Fortgang zu wünschen geruhen."

Weitere Regatten folgten. Keineswegs aber in der Häufigkeit von heute, dass unter Berücksichtigung der wichtigsten Veranstaltungen befreundeter anderer Segelvereine nah und fern, die Wochenenden des Sommers einfach nicht ausreichen für einen sportlichen Regattasegler. Die zweite Regatta des ZSK fand erst am 28. August 1894 statt.

Immerhin, die Vorbereitungen der ersten Regatten, die nach dem Bericht unseres 1951 verstorbenen Segelkameraden Gleimius wahre Lustbarkeiten gewesen sein müssen, bedingten Arbeit in der sportlichen Gemeinschaft und damit ein Klubleben.

Im Laufe der Jahre wurden die Veranstaltungen des Segelklubs nicht mehr in Form von "Volksbelustigungen" abgehalten. So schreibt der "Ammerländer" am 14. Mai 1895: "Das Eröffnungssegeln des Zwischenahner Segelklubs trug einen mehr privaten Charakter. Die Bootsbesitzer hatten Freunde eingeladen und segelten gemeinschaftlich zum Waldschlößchen und nach Dreibergen." Trotzdem bedeuteten die Vorbereitungen der immer noch kombinierten Segel und Ruderregatten anscheinend auch damals schon eine unerhörte Arbeit. Es wird am 13. Juni im "Ammerländer" berichtet: "Um die bedeutende Arbeitslast, die dem Vorstand des Segelklubs zur Regatta erwächst, etwas zu verringern, hat man jetzt verschiedene Obliegenheiten an gewählte Kommissionen verteilt. So hat man z. B. einen Finanzausschuss gewählt, ein anderer Ausschuss hat das Reklamewesen zu ordnen, ein dritter beschäftigt sich mit der Vorbereitung zur Ruderregatta, andere befassen sich mit den Fischerbooten, sorgen für die Beschaffung der Musik, für Ausschmückung, Illumination und Feuerwerk usw. Personen, die am Wettrudern der Ruder- oder Fischerboote teilnehmen wollen, können sich bei irgendeinem Mitglied des Klubs melden. Zur Segelregatta können auch Nichtmitglieder gegen einen geringen Einsatz sich beteiligen. Als ein Beweis, wie sehr man auch auswärts für unseren Klub Interesse hat, verdient es angeführt zu werden, dass kürzlich mehrere Herren aus Bremen, Oldenburg usw. die Mitgliedschaft erworben haben."

Obwohl Bremen und Oldenburg eigene Reviere - mit vielmehr Auslauf - haben, zeigte sich also damals schon, daß viele Segler doch die landschaftlichen Reize unseres Sees und die hier übliche, gute Organisation vorzogen. Ein Bootshaus besaß der Segelklub damals noch nicht. Die Segler trafen sich im Kurhaus und bald hatten sie "Meyers Hotel" am Markt zu ihrem Klublokal erkoren. Hier befand sich ein Anleger, an dem man sein Schiff vertäuen konnte. Manche Boote lagen aber auch "auf Reede" - vor der Boje auf der Zwischenahner Seite des Sees.

Aus dieser Zeit verdient ein Gönner des Segelklubs erwähnt zu werden, der damals für ganz Zwischenahn Gesprächsstoff genug lieferte: "Kapitän" Otto Lehmann. Er kam 1895 aus Hamburg, wo er eine Erbschaft von 150.000 Mark gemacht hatte. Dieses Geld hat er versucht, so schnell es ging, in Zwischenahn an den Mann zu bringen. Er wollte Zwischenahn eine große Flotte bescheren und kaufte auch gleich einen Dampfer für 150 Personen und zwei große Motorboote. Er ließ 12 schöne Ruderboote und eine große Segelyacht bauen. Nachdem seine Flotte vollständig am Anleger hinter Meyers Garten vertäut lag, lief er nur noch in goldstrotzender Uniform herum und fühlte sich ganz als Kapitän. Er galt als unerhört großzügig und finanzierte so manche Veranstaltung und Anschaffung des Segelklubs. In Meyers Garten ließ er zwei Mörser aufstellen, mit denen er die Ankunft der Ausflugszüge feierte und die Stille der Regatta "etwas auflockerte". Auch wird von ihm berichtet, dass er auf folgende Weise die Anziehungskraft einer Regatta zu steigern wusste: "Es wurde, wie immer, ein großes Feuerwerk am Abend der Regatta abgebrannt. Vor allem aber war die Sprengung eines Schiffes angekündigt worden. Das zog natürlich noch mehr Besucher an diesem Tage nach Zwischenahn. Lehmann hatte sein Segelboot Möwe voll Sprengstoff packen lassen. Dann ließ er sich in Uniform auf den See hinausrudern, um selbst die Lunte zu legen. Immerhin kostete ihn das Unternehmen seinen "Kapitänsbart". Leider kosteten seine Unternehmungen im laufe der Jahre noch mehr und er verstarb 1899 in einem Hamburger Armenhaus.

Der erste Weltkrieg unterbrach nicht nur den Fremdenverkehr, sondern auch weitgehend die Arbeit des Segelklubs. Jedenfalls ist in alten Zeitungen nur wenig über die Arbeit des Klubs zu lesen.